Flucht ist ein Überlebensinstinkt

WELCHER FLUCHT-TYP BIST DU?

Als „Geheime Fluchten“ kurz vor der Drucklegung war, hatte Michaela Moses in Baden-Baden die Idee für ein Quiz: Potentielle Leser sollten herausfinden, welcher Flucht-Typ sie sind.

Leider ist es mit dem Quiz dann nichts geworden, aber die Auflösung hatte ich bereits geschrieben, also kommt die jetzt hier in den Blog.

„Ich habe es nicht nötig, vor etwas wegzulaufen“

Du bist ein Sonnenkind oder mit einem Goldhelm geboren. Ob auf der Schule, im Freundeskreis oder unter Kollegen: Man schätzt dich und ist meistens mit dir einer Meinung. Natürlich machst auch du Fehler, aber es handelt sich stets um Sachen, die sich leicht wieder ausbügeln lassen. Spätestens beim ersten Feierabendbier oder dem Kinobesuch mit Freund oder Freundin hast du dir die lästige Angelegenheit bereits von der Seele geredet – und dann auch sofort vergessen. Du brauchst dich nicht besonders anzustrengen, um Erfolg zu haben. Was auch daran liegen könnte, dass du dir nur Herausforderungen aussuchst, die du bewältigen kannst. Wozu gegen eine Wand rennen, wenn du nach der Tür suchen oder schlicht einen anderen Weg nehmen kannst? Wenn du überhaupt Bücher liest, dann solche, die dich zum Lachen bringen. Der Alltag ist schwer genug, da musst du nicht noch in deiner Freizeit grübeln.

Empfehlung: Gib das Buch deiner Mutter oder einer Freundin, die gerade eine Krise durchlebt. Du würdest es ohnehin nicht verstehen und nach zehn Seiten genervt aus der Hand legen.

 

„Always on the run – immer auf Achse“

Bei WhatsApp lautet dein Status „Allzeit bereit“. Schon als Kind bist du häufiger mal verloren gegangen, weil dein Eroberungsdrang dich auf verbotene Gebiete gelenkt hat. Du würdest keine Droge unprobiert und keinen Cocktail ungetrunken lassen, bist aber zugleich nie in Gefahr, von etwas abhängig zu werden. Denn etwas zu BRAUCHEN, das würde deinem Freiheitssinn eindeutig gegen den Strich gehen und auch schnell langweilig werden. Abwechslung ist dein Lebenselixier. Entweder hast du noch keine(n) feste(n) Partner(in) gefunden, oder der Mensch an deiner Seite ist genau so neugierig wie du und schätzt deinen quecksilbrigen Einfallsreichtum. Du fährst nie zweimal an den gleichen Ferienort, und Pauschalreisen buchst du höchstens, wenn sicher gestellt ist, dass du einen Mietwagen nehmen und deine eigenen Ausflüge gestalten kannst. Zugleich bist du genügsam: Auch eine Fahrt mit der Regionalbahn kann für dich interessant sein, sofern du die Strecke noch nicht kennst. Und es könnte ja jemand eine Zeitung liegen gelassen haben. Oder ein Buch.

Empfehlung: …ist eher eine Frage: Warum hast du überhaupt diesen Test gemacht, ungeduldig, wie du von Natur aus bist? Du liest sowieso alles.

 

„Da muss ich eben durch“

Ja, auch du hast Gefühle. Große und heftige sogar. Aber du magst nicht über sie reden. In einer Gruppe versuchst du stets, einen der vorderen drei Plätze einzunehmen, am besten sogar den ersten. Wenn du in der Hierarchie oben stehst, hast du die Dinge unter Kontrolle. Zumindest glaubst du das. Du liest ausschließlich Sachbücher, denn ein Tag, an dem du nicht dazulernen kannst, ist für dich ein verlorener Tag. Gerne dozierst du und breitest dein Wissen aus. Dabei willst du nicht wirklich ins Gespräch kommen, sondern eher deine Position festigen. Auf diese Weise gerätst du selten in eine schwierige Situation. Wenn es aber doch geschieht, weichst du dem Konflikt nicht aus. Du beißt die Zähne zusammen und stehst die Sache durch, ganz gleich, ob es ein Arbeitsplatzwechsel ist, eine Trennung oder ein längerer Krankenhausaufenthalt. Nützlichkeit ist dein oberstes Gebot. Daher muss jede Durststrecke in deinem Leben zu etwas nütze sein. Wenn es mal wirklich ganz dicke kommt, hältst du inne, um die Lage zu analysieren und einen detaillierten Plan aufzustellen. Und den befolgst du dann auch. Hauptsache, deine Vernunft behält die Oberhand.

Empfehlung: Wenn du dieses Buch liest, wirst du in literarisch gebildeten Kreisen als Entdecker(in) glänzen können. Dabei findest du die Protagonisten reichlich bizarr. Aber nun gut, du hast seinerzeit auch diesen dicken Schinken eines Insektenforschers über die Libellenarten am Amazonas durchgestanden. Nimm dir 20 Seiten pro Tag vor, denn die Seiten sind klein, und du hast es dann schnell hinter dir.

„Drei Schritte vor, zwei zurück“

Du versuchst stets, Konflikten aus dem Weg zu gehen. Harmonie ist dir ein Grundbedürfnis, sobald du einen Raum betrittst, verspürst du die Stimmung zwischen den dort Versammelten und bemühst dich, Konsens herzustellen. Das bedeutet aber nicht, dass du geboren wärst für die Diplomatenlaufbahn. Denn wenn du bei deinem Gegenüber auf Granit beißt, kannst du explodieren. Dann schlägt deine ausgleichende, ausweichende Sanftmut um in jähen Zorn. Manche Menschen deines Typs hauen dem anderen dann auch auf die Nase, aber das muss nicht sein: Womöglich wirst du nicht mal besonders laut, nur deine Augen sprühen Feuer. Du wirst jedenfalls Maßnahmen zur Selbstverteidigung ergreifen, drastische. Doch vielleicht erscheinen sie gar nicht brutal?

Du bist nämlich zugleich ein(e) Meister(in) im Erfinden von Ausreden und Entschuldigungen. Dir werden objektive Gründe einfallen, warum du bisher nicht tun konntest, was der oder die andere von dir will, und dann wirst du versprechen, innerhalb der gesetzten Frist zu liefern. Natürlich verzeiht man dir, du bist ja so liebenswürdig, so sanft und charmant. Können diese Augen lügen? Natürlich nicht! Du lügst auch gar nicht bewusst. Du vergisst bloß, was du versprochen hast. So bist du bei Auseinandersetzungen nicht zu fassen. Und letztlich kommst natürlich auch du im Leben vorwärts mit deiner speziellen Art, im Prinzip mit dem Strom zu schwimmen, aber immer wieder einen kleinen Seitenarm zu finden, in dem du weitgehend für dich sein kannst. Dort, an deinem Rückzugs-, deinem Fluchtort, ist die Fließgeschwindigkeit so herabgesetzt, dass du träumen kannst vom großen weiten Meer.

Empfehlung: Lass dir dieses Buch vorlesen. Du wirst dich in vielem, was Jakob tut, wiederfinden. Aber du scheust die Auseinandersetzung mit dieser dunklen Seite in dir. Daher wirst du das Buch aus der Hand legen. Wenn es dir hingegen einer ins Ohr bläst, dich mit bösen Träumen in den Schlaf singt, kannst du gleichzeitig fliehen und deine Probleme mitnehmen.

„Angriff ist die beste Verteidigung!“

Wenn du provozierst, spürst du, dass du lebst. Getriebe sind erfunden worden, damit du als Sand sie hemmen kannst. Auf der Schule warst du entweder der Anführer einer Rowdy-Gang oder das Kind, das jeden Tag einen Eintrag ins Klassenbuch bekam. Ja ja, du bist schon bereit, Ordnung anzuerkennen – deine. Nicht die der anderen. Deine Mitmenschen halten dich deswegen entweder für sehr mutig oder für komplett bescheuert. Natürlich wird es auch für dich manchmal eng, und du musst die Flucht antreten – die Flucht nach vorn. Rückzug kommt für dich nicht infrage, eher opferst du dich selbst auf in der Schlacht. Egal was es kostet, wenn ein Thema dich packt, willst du es ausdiskutieren. Dein Wahlspruch lautet: „Ich bin noch nie vor etwas davongelaufen!“ Nein wahrlich, du bist auf Lawinen und haushohe Wellen immer direkt zugelaufen und dann hineingesprungen.

Empfehlung: Bestell von diesem Buch fünf Exemplare, verteile sie im Freundeskreis und diskutiere mit den Lesern, ob die beschriebenen Sextechniken taugen für den Liebesalltag. Auf diese Weise erweiterst du vielleicht nicht deinen Freundeskreis – aber deinen Bekanntheitsgrad.

 

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